Dienstag, 19. September 2017

Die Institutionalisierung des Uneingestehbaren und die Aufwertung des Intimen

In der Einleitung erhebt der Verfasser des Textes den Anspruch herauszufinden in welchem Rahmen der Institutionaliserung des Uneingestehbaren in der Psychoanalyse und der Psychiatrie der moralischen Behandlung stattgefunden hat.
Zunächst wird die These aufgestellt, dass Menschen schon lange eine Beziehung zum Wahnsinn und der Unvernunft hegen, die bis heute säkularisiert worden sei und mit dem Namen der Geisteskrankheit betitelt wird. Sie wird bis heute als Störung der Vernunft angesehen und könne nur beseitigt werden, indem das Gegenteil von Vernunft eingestanden wird. Therapeutische Arbeit mit einem Dispositiv des Geständnisses kann dies unterstützen.
Im Folgenden wird die moralische Behandlung in der entstehenden Psyichatrie des 19.Jahrhunderts thematisiert. Hierbei geht es eher darum Patienten mit drastischen Mitteln ein Geständnis der Unvernunft zu erzwingen. Sobald der behandelnde Arzt das Gefühl hat, dass der Patient von Innen heraus gesteht, erklärt er diesen für geheilt. Der Wahnsinn und dass Uneingestehbare unterscheiden sich darin, dass der ersteres als ein irrsinniges Urteil abgestempelt wird und nicht festgefügt sei wie das Uneingestehbare. Die moralische Behandlung erklärt dabei die Arbeit an der Seele zu einer Matrix für alle zukünftigen Psychtotherapien, die sie zu einer Dienstleitung macht. Dabei geht es nicht mehr länger um jenseitiges religiöses Seelenheil, sondern um eine Reparatur des Seelenapparates.
Darüber hinaus geht es im Text um die Psychoanalyse, die die Unbewusstheit von Phantasiebildern von deren Uneingestehbarkeiten und deren Geständnissinnlosigkeit auflöst. Dies führt zu einer Unterwerfung des Uneingestehbarem gegenüber dem Wertewandel und somit zu einer positiven Betrachtung dessen gegenüber.
Stellen wir beides gegenüber, so kommt es zu einem Aufeinandertreffen von Spezialist und Subjekt. Nach dem Autor ist nichts mehr uneingestehbar, sondern alles verständlich un nachvollziehbar. Sollte noch etwas uneingestehbar sein, so muss es sich psychokulturellen Einflüssen entzogen haben.

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