Dienstag, 16. Mai 2017

Der Wille zum Wissen





"Eine Doppelentwicklung zieht darauf, das Fleisch zu Wurzel aller Sünden zu machen und gleichzeitig das wichtigste Moment vom Akt selber auf jene so schwer wahrnehmbare und formulierbare Wirrnis des Begehrens zu verschieben"

Dienstag, 9. Mai 2017

Aufgabe 4

„Dabei werden Geständnisse nicht äußerlich erzwungen, sondern „stimuliert“, mit dem Ziel, verdrängte unbewusste Wahrheiten ans Licht zu bringen, um sich selbst kennen zu lernen und zu heilen“

Beispiel: https://www.youtube.com/results?search_query=coming+out

Zu diesem Zitat passt die Coming-out-Story der Youtuberin Melina Sophie, die sich in einem ihrer Videos zur Homosexualität bekennt. Diese Wahrheit, die sie vor ihrer Community geheim hielt, brachte sie ans Licht und brach somit noch mehr die Distanz zwischen Zuchauer und Medienfigur. Mit diesem Schritt lernt man sich selber besser kennen, indem man zu seiner eigenen Sexualität steht und dies einer Öffentlichkeit bzw. der öffentlichen Meinung preisgibt. Die oben genannte 'Heilung' findet in der Weise statt, dass mit Youtube eine Platform für die Medeinfigur geschaffen wird in der sie auf positive wie auch negative Reaktionen stellen kann. Sie kann dabei auf Verständnis, Unterstützung und Gleichgesinnte treffen, doch auch auf Shitstorms, Hate und Kritik treffen. All das hilft ihr auch mit Reaktionen umzugehen, die fernab vom Social Media liegen und im realen Leben geschehen. 

"Es kommt somit zu einer Sozialisation der Empfindungen und einer sozialen Kontrolle des Gewissens, was sie vorher nicht möglich waren. Die Beichte wird damit eine allzuständige Instanz, vor der das Individuum sich verantworten muss"

Auch dieses Zitat lässt sich auf das oben genannte Beispiel beziehen. Youtube als Institution entsteht nur durch mediale Sozialisation. Videos lassen sich durch Views, die jeweiligen Abonennten, deren Kommentare und einen Daumen nach oben bzw. nach unten kennzeichnen. Da die Medienfiguren eine gewisse Nähe zum Zuschauer zulassen, merken die Letzteren auch schnell Veränderungen in Bild und Ton und können der Medienfiguren stark beeinflussen bzw. zwingen zu gestehen. Die Verantwortung die Zuschauer von Veränderungen im privaten Leben wissen zu lassen gehört ebenso dazu. 

"Schwelende Konflikte zwischen einzelnen Gruppen oder Personen sowie Verstöße gegen die Werte und Normen der Gesellschaft finden über natürliche und spirituelle Rückschlüsse eindringliche Ermahnung"

Mit diesem Zitat lassen sich die ersten Beichthaltungen der Christen zur Feier der Kommunion beschreiben, die wie in einer Gruppe wie ein Ritual gefeiert werden und möglicherweise auch aus schlechtem Gewissen vollzogen werden.

Dienstag, 2. Mai 2017

Urte Undine Frömming: Der Zwang zum Geständnis

In Frau Frömmings Aufsatz "Der Zwang zum Geständnis" werden die Ritualpraktiken der "suku" bei Naturkatastrophen auf der Vulkaninsel Flores in Ostindonesien behandelt. Die Vulkane stehen dabei im gesellschaftlichen Zentrum des Geschehens und sind so machtvoll, dass sie ritueller Ort und der personifizierte Vorfahre des Volkes zugleich sind. Durch diese Göttlichkeit und Übernatürlichkeit, die der Vulkan für das Volk ausstrahlt, werden auch genau hier Krieg, Streit und Krankheit in Form von Opferungen ausgetragen. Da der Vulkan durch seine Ausbrüche so lebhaft erscheint, sieht das Volk in ihm das Empfinden der Ahnen, welches sich in Naturgewalten ausdrückt. Um dies anscheinend zu vermeiden und vorzubeugen wird der Zwang zum Geständnis genutzt. Das Geständnis einer Person wird hierbei als Opferung angesehen und durch dessen zwanghafte Aussprache vor der Öffentlichkeit bloßgestellt. Außerdem wird dies genutzt, um eine allgemeine Angst beim Volk auszulösen und die Macht des Vulkans weiterhin zu positionieren bzw. aufrecht zu erhalten. Ein gutes Beispiel dafür ist der weltbekannte Uluru Stone bzw. Ayers in Australiens Down Under, der so heilig für das Urvolk der Aboriginies ist, dass das Machen von Fotos und das Besteigen des Vulkans verboten sind.

Alois Hahn: Zur Soziologie der Beichte und anderer Formen institutioneller Bekenntnisse

Bietet man Bekenntnissen eine Platform durch Institutionen wie der Kirche, Social Media-Seiten oder gesellschaftlichter Pflichten so vereinen sich Selbst-und Fremdbild miteinander. Der Sender befreit sich von jeglicher Sünde, schlechtem Gewissen und Schuld, während der Gesprächspartner die Botschaft empfängt, optional vor Schweigepflicht steht und sich an diese erinnern kann oder nicht muss. Dazu kommt dass sich der Beichter erst einmal für das Beichten entscheiden muss, was die Kirche erzwingen, Social-Media-Seiten erleichtern und gesellschaftliche Pflichten abnehmen können. Man hilft sich dabei selber, indem man Bestätigung, Unterstützung und indirekte Aufmerksamkeit erhält oder einfach einen externen Zuhörer bzw. eine öffentliche Meinung bekommt. Diese kann positiv ausfallen, indem man Gemeinsschaften entdeckt oder negativ durch Verurteilung und Vorurteilen.